Anna Fröhlich und Ihre Gesangsschüler
Bakkalaureatsarbeit in der Studienrichtung Gesangspädagogik
Inhalt:
I. Vorwort
II. Einleitung
III. Biographie von Anna Fröhlich
a) Familienumfeld
b) Musikalische Ausbildung
c) Tätigkeit am Conservatorium
IV. Die Gesangsschüler und deren Berufswege
V. Beziehungen zu Schubert und Grillparzer
VI. Zusammenfassung
VII. Literaturverzeichnis
I. Vorwort
Als Musikstudentin aus Moldawien kam ich 1996 nach Wien, und seit dem ist die Liebe und das Interesse für die Welthauptstadt der klassischen Musik und ihre Geschichte nur gewachsen.
So kam es, daß ich mich im Zuge meiner gesangspädagogischen Ausbildung auch für Geschichte der Gesangspädagogik in Wien interessierte. In der Literatur fand ich merhmals den Namen von Anna Fröhlich, ihrem Bezug zu Schubert und dem Erfolg ihrer Gesangsschüler erwähnt. Mit dieser Bakkalaureatsarbeit wollte ich mein Wissen über diese Persöhnlichkeit vertiefen, und vor allem auch die Information über ihre Unterrichtsmethodik darzulegen.
Letzteres auch um „dazuzulernen“ aus der Geschichte, doch erwies es sich al s das Schwierigste den Unterrichtsinhalt zu erforschen, da gar keine Notizen erhalten sind. So konnte ich mein Eindruck darüber aus biographischen Daten gewinnen - besonderes aus musikalischem Werdegang; auf der anderen Seite die Kritik, welche Schüler von Anna Fröhlich bekamen, sagte auch etwas zur Qualität des Unterrichts aus. Nicht zuletzt werden erwähnt die betreffenden Aussagen der Künstlerin selber, um den Gesamteindruck zu vervollständigen.
II. Einleitung
Anna Fröhlich ist eine von drei Schwestern Fröhlich, welche in Wien auch als „Dreimäderlhaus“ bekannt sind, eine Vertonung von Heinrich Berté, die auf Melodien Schuberts basiert ist.
„... Die Hauptbedeutung der Schwestern Fröhlich liegt darin, dass sie, die nach dem wirtschaftlichen Niederbruch ihres Vaters durch eigenes Aufbringen die Erhaltung des Hausstandes ermöglichten, durch ihre Musikbegeisterung das Fröhlichsche Haus zu einem Mittelpunkt der bürgerl. Musikkultur Wiens im Vormärz werden ließen,...“1
Der Forscher der Familie Fröhlich, der auch deren Biographie verfasste, betont die Wichtigkeit der Wirkung der Schwestern: „Sie waren von den Tönen Schubert‘s umrauscht wie von Versen Grillparzer‘s. Sie sind mit der aufstrebenden Gesangskunst in Wien untrennbar verknüpft. Ja, die Schwestern Fröhlich waren eine musikalische Macht, deren Ansehen über die Grenzen von Wien hinausreichte. (...) Sie dürften für die Kunst, damentlich den Gesang, mehr gewirkt haben, als so manche Europa-berühmte Amazone von der Kehle.“2
Künstlerisch begabt waren sie alle: Barbara (verheiratete Bogner) wirkte nach ihren erfolgreichen Auftritten als Sängerin und vielen Ausstellungen als Malerin Zeichenlehrerin am Offizierstöchter-Institut in Hernals; Katharina, eine Vertraute (‚ewige Braut‘) Grillparzers, ist haupsächlich als Begleiterin und Helferin der Schwestern aktiv gewesen, wobei auch sie in ihrer Jugend - wie alle Schwestern - Sopranmidglied der Gesellschaft der Musikfreunde war. Josephine war eine gefeierte Sängerin und hat internationale Erfolge gefeiert. Sie und Anna wurden vom gleichen Lehrer unterrichtet: Giuseppe Siboni, ein Italiener aus Forli in der Romagna, welcher ab 1810 am Wiener Kärtnertortheater sang - 1823-25 reiste Josephine noch zu ihm nach Kopenhagen nach, um Gesangsstunden zu nehmen, und am Hoftheater dort aufzutreten.
III. Biographie von Anna Fröhlich
Anna Föhlich wurde als älteste der vier Schwestern am 19. November 17933 in Wien geboren. Die Eltern - Mathias Fröhlich, Weineinschlagmacher4 , gew. französischer Sprachlehrer, und Barbara Fröhlich, die später das Gewerbe weitergeführt hat.5
Als zweite Tochter kam Barbara Fröhlich; sie wurde am 30. August 1797 in der Pfarrkirche St. Karl Borromäus im 4. Wiener Gemeindebezirk getauft. Die Dritte Schwester hieß Katharina, sie wurde am 10. Juni 1800 in der Pfarrkirche zum Hl. Karl Borromäus von Ignaz Steiskal getauft. In der gleichen Kirche wurde am 12. Dezember 1803 die jüngste Tochter - Josepha Carolina Fröhlich getauft.
Anna wird von August Sauer folgendermaßen beschrieben: „Kleiner als die anderen (sie hatte den Spitznamen: der Gnom), und weniger hübsch als diese, doch an Lieblichkeit ihnen gleich, von großer Lebhaftigkeit und Beweglichkeit, fügte sie sich außer Haus in die Rolle der erdienenden und Untergeordneten, leitete aber in der Familie alles Geschäftliche mit sicherer Hand“.6
Neben ihrer pädagogischen Tätigkeit leitete sie auch einiger Zeit - 1825 bis 1827 - die Privatkonzerte des Hauses Kiesewetter; viele Theaterbesuche, ins Kärntnerthortheater und ins Burgtheater, standen am abendlichen Programm, wohin nach Möglichkeit die Schwestern und ihre Freunde zusammen gingen.
Ab 1835 gingen die Schwestern regelmäßig nach Baden, wie die Eintragungen im Kurbuch von Baden berichten. Marie von Ebner-Eschenbach schildert hierzu einige wichtige Episoden: „Die Schwestern Fröhlich brachten den Sommer regelmäßig auf dem Lande in der Nähe Wiens zu. Anna fuhr täglich nach der Stadt und begab sich in ihre Wohnung, wohin die Schülerinnen zum Gesangsunterricht kamen.
Eines Tages, am 8. Juni 1848, mußten die jungen Damen vergeblich warten; zu allgemeiner Bestürzung fand die sonst so gewissenhaft pünktliche Lehrerin sich nicht zur Stunde ein.“ Denn als sie über den Hohen Markt vorbeifuhr, begegnete sie einer Menschenmasse, die sich erregten über das Gedicht von Grillparzer auf Radetzky. Die Studenten wollten ihn in die Aula bringen und Anna merkte, dass sie nicht wussten wo er wohnt und eilte zu ihm, um ihn nach Baden mitzunehmen. Als er sich weigerte, sagte Anna: „Wenn Sie auf einen Heldentod hoffen, irren Sie sich. Ermordet werden sie nicht, aber von exaltierten Studenten auf die Aula geführt und dort zur Rede gestellt. - das ja. Ist Ihnen darum zu tun, dann bleiben Sie hier. ...“7
Er blieb einige Zeit auf dem Lande und erlebte später in Wien den Greuel der Oktobertage. Daraufhin folgte er gern de Bitten und Beschwörungen der Schwestern zu ihnen nach Baden zu ziehen. Ein Jahr später zog der k.k. Archivdirektor Franz Grillparzer als Mieter zu Anna Fröhlich in die Spiegelgasse Nr. 1097 ein, denn der Verkehr mit den Schwestern wurde ihm immer wichteiger.
Nach der Unterrichtspause der Jahre 1848-1851 begann Anna wieder im Konservatorium zu unterrichten, wo sie 1854 nicht ganz freiwillig in Pension ging.
Als 1863 Grillparzer im Römerbad gestürzt war und sich verletzte, pflegten ihn die Schwestern abwechselnd, und es gibt einen regen Briefwechsel aus dieser Zeit.8
In diesen Briefen erwähnt sie oft ihre Tagebücher, doch diese hat sie am Ende ihres Lebens -“gewiß nach reiflicher Überlegung“9 - verbrannt, so berichtete eine Familienfreundin, Marie von Ebner Eschenbach.
Nach dem Tode von Franz Grillparzer am 21. Jänner 1872 „...begann Anna zu kränkeln, bedurfte Tag und Nacht Wartung. Mit hingebender Liebe betreuten sie die Schwestern. Lebendig blieb aber ihr Geist, ungetrübt ihr Gedächtnis, voll inniger Antheilnahme verfolgte sie alle Erscheinungen der neueren Literatur. Sie betrieb den Grillparzer-Kult aufs eifrigste;...“10
Nach dem Tod von Katharina wandte sich die Redaktion der Österreichischen Gartenlaube an Anna mit der Bitte um eine Selbstdarstellung; doch durch das Ableben aller drei Schwerstern binnen kurzer Zeit hatte sie keine Kraft und antwortete daher mit einer Absage am 25. Juli 1879:11
„Geehrte Redaction!
So sehr mich auch Ihre Einladung freut, durch Zusendung meines Bildes und meiner Biographie für die Rubrik „Künstler-Album“ Einiges beizutragen, muß ich doch bedauern, derselben nicht entsprechen zu können. Ich habe mich seit fast einem Vierteljahrhundert von jeder öffentlichen Tätigkeit zurückgezogen und es leben nur wenige meiner Schülerinnen, die sich meiner erinnern können; ich bin also vergessen und will vergeßen bleiben. Dem zweiten Wunsche, wegen Zusendung meines Porträts kann ich schon deshalb nicht entsprechen, weil nur Eines aus meiner frühesten Jugen existiert, in dem nur Wenige die alte Frau erkennen würden; jetzt aber, in meinem hohen Alter habe ich weder Kraft noch die Lust selbst nur zur Aufnahme eines photographischen Bildes zu sitzen. Genehmigen Sie den Ausdruck meiner
Hochachtung
Anna Fröhlich“12
Sie starb als letzte von vier Schwestern, im Alter von 87 Jahren, am 11.März 1880 an Altersschwäche, und wurde in Hietzing begraben.
a) Familienumfeld
Im Aufsatz „Grillparzer und Katharina Fröhlich“ schrieb August Sauer über die Athmosphäre im Hause Fröhlich: „... der Ton in dem Hause Fröhlich war ein so ungezwungener und offener, daß vor den täglichen Gästen, wie Walcher, Nettis Bräutigam, Moritz Sonnleitner, Peppis Verehrer, und endlich Grillparzer, wenig geheim gehalten wurde. Es herrscht eine große Ungezwungenheit und Ungebundenheit im Hause Fröhlich. Die Mädchen waren viel außer Haus, zum Thei des Erwerbes wegen. Sie lebten - ein Zeit lang wenigstens - allein, von den Eltern getrennt. Wie in einem Taubenschlag ging‘s bei ihnen aus und ein. Kaum ein Abend, daß nicht ein kleiner Kreis von Hausfreunden sich bei ihnen versammelte. Die schönen Mädchen waren von Bewerbern umringt. Auch Anna und Josephine machten ihre Herzenskämpfe durch, und es gab ein Zeit, wo jede ihren erklärten (oder eben nicht erklärten) Bräutigam hatte. An Zudringlichem mochte es nicht fehlen.“13
Als die Mädchen erwachsen wurden, zog die Mutter aus dem Hause aufs Land, wo sich das Gewerbe befand; das schwierige Verhältnis der Familie zu ihr könnte aus dem Brief von Josephine aus Kopenhagen (20. März 1924) ersichtlich sein: „... Warum hat sich den die Mutter noch nicht zu Euch gezogen? Ich muß gestehen daß mir es sehr viel Kummermacht, denn die Mutter ist nun nicht mehr sehr jung, u ganz allein, und wie muß sie sich nicht plagen; freilig würdet Ihr viel erdulden müssen, aber sie ist doch sehr gut, und was habt Ihr der Mutter nicht alles zu danken, denn die erste Anleitung zur Musik, wodurch Ihr Euch so anständig ernährt, habt Ihr durch sie, und gewiß würde sie noch mehr für uns alle getan haben, wären die üblen Zeiten nicht gekommen; ihre üble Laune ist nicht natürlich nur sehr sehr verzeihlich, u daher würdet Ihr sie auch ertragen können: Thut daher Euer möglichstes daß sie sich zu Euch zieht, u macht ihr den Aufenthalt in der Stadt dann so angehnem als es Euch möglich ist, thut mir den gefallen ich bin dann viel leichter in Copenhagen;...“14
Zu der Zeit, als Josephine in Kopenhagen war, veröffentlichte das dänische „Literatur-, Kunst- und Theater-Blad“ einen biographischen Artikel über die Schwester, wo auch Annas Leistungen hervorgebracht wurden: „Die Eltern waren nicht sehr vermögend, frühzeitig zeigte sich aber der künstlerische Lebensweg der Mädchen, den ihnen ihr Talent öffnete und bahnte. Man bemerkte bald ihre seltenen Gaben und schenkte ihnen in Privatzirkeln wache Aufmerksamkeit. Diese Aufmerksamkeit war begleitet von Beifall, Achtung und Bewunderung. Das ordentliche Einkommen hielt Schritt mit der Kunst und bald brachten es die Schwestern so weit, daß sie das schönste Lob für Kinder bekommen konnten: daß sie ihre Eltern unterstützen konnten. - Die älteste Schwester besitzt eine große Fertigkeit und Präzision im Klavierspiel; sie spielt besser und richtiger als manche Kapellmeister selbst Partitur vom Blatt, und singt alles, was man ihr vorlegt, prima vista; ihre Stimme ist klein, aber ihre Methode äußerst angenehm. Sie wurde als Lehrerin ans Konservatorium der Gesellschaft der Musikfreunde des österreichischen Kaiserstaates berufen, und viele der angesehendsten Häuser der Residenzstadt bemühen sich sie als Lehrerin für ihre Kinder zu bekommen.“15
Im Jahr 1830 reiste Josephine Fröhlich nach Italien um an der Mailänder Scala zu singen. Wegen vielen Schwierigkeiten mit den Komponisten, brach sie vorzeitig ihr Engagemente ab und kehrte nach Wien zurück. Somit war ihre Karierre als Opernsängerin beendet. Danach erteilte sie Gesangsunterricht, sowie ihre Schwester Anna, aber nur privat. Ihre Schülerinnen waren z.B.: die dänsiche Sängerin H. Rainville und Hermine Vocati.16 Auch Therese Schwarz war ihre Schülerin. Dies erfahren wir aus einem Brief an Josephine Fröhlich vom 16. November 1842 aus dem es hervorgeht, dass sie „zweimal den Altsolopart des Oratoriums: Judas Makkabeus von Händel...(und) bei der dritten Produktion zwei große Arien von Gluck und Händel mit dem allgemeinten Beifall vorgetragen hat.17
Aus folgendem Brief können wir ein Urteil ablesen, welches Anna Fröhlich über eine Schülerin von Josephine geäußert hat: „Diese somnambule Fräulein nimmt bei Pepi Stunden,...hat aber ein solches Tremoliren und Vibriren daß man ganz schwindlich wird. Pepi sagte, daß sie sie nur auf Probe nehme, ob sie sich daß abgewöhne. Kaum war die erste Stunde vorüber so steht ein Fräulein, ohne Hut und wie man zu Hause ist, bey der Thür, und fragt um das Fräulein die Stunde gibt, Pepi sagt sie sei es selbst. Herr Ronconi, der unter uns wohnt lässt bitten, wenn es möglich ist die eben geendet Lection später zu geben, wenn er auf der Probe ist. Denn er könne es nicht aushalten, alle anderne Lectionen ginieren ihn gar nicht, nur die. Zugleich er suchte dieses Fräulein, ob Pepi ihr auch Stunde geben wolle im Falle sie nicht nach Italien mit Ronconi zurückkehre. Pepi war sehr artig und sagt ihr was sie über diese Schülerin geäußert und daß sie recht gern die Stunde ändern werde...“18
Barbara Fröhlich war auch eine sehr talentierte Sängerin. Nach ihren Studien bei der Gesellschaft der Musikfreunde, debütierte sie 1816 als Page in der Oper „Johann von Paris“ im Theater an der Wien.19 Sie galt als talentierteste Schwester von allen und konnte sogar einmal als Cherubin in Mozarts „Hochzeit des Figaro“ einspringen.20 Später wurde sie zur Malerin und Zeichenlehrerin.
Die dritte Schwester , Katharina, hatte ihr besonderes Talent im schauspielerischen, doch konnte sie diesem Beruf nicht nachgehen zu einem wegen ihrer gesundheitlichen Schwäche und zum anderen, weil Grillpazer dagegen gewesen wäre.
b) Musikalische Ausbildung
Ihren ersten Musikunterricht bekam Anna, so wie auch ihre Schwestern, von der Mutter - dies bestätigt der Brief von Josephine aus Kopenhagen.21 Zur Weiterbildung wurden die Mädchen dem Chorregenten Hauß anvertraut22 und danach durfte Anna im Klavier vom berühmten Johann Nepomuk Hummel unterrichtet werden, und im Gesang erhielt sie eine Vervollkommnung durch Giuseppe Siboni.
Nach dem Siboni als einziger Gesangslehrer von Anna bekannt ist, scheint es mir wichtig auf sein Werdegang aufmerksam zu machen, denn seine Erfahrungen konnten maßgeblich für den Unterricht der späterin Professorin Anna Fröhlich gewesen sein.
Giuseppe Siboni wurde am 27. Januaar 1780 in Forli geboren (Romagna), und besuchte nach der Schule Studien in Klassik und Philosophie. Als Kind sang er al s Solist in Kirchen und bekam den Musikunterricht von Domkapellmeister seiner Geburtsstadt Forli, Andrea Favi und vom Vorsänger des Domchores, den Kastraten-Sopran Sebastiano Folicardi.
In den Napoleon-Kriegen meldete er sich als Freiwilliger, überstand aber unbeschadet diese Zeit.
Nach dem Abrüsten vervollkommnete er seine musikalische Ausbildung und wurde bald an viele europäische Bühnen verpflichtet. Über Prag und Mailand führten ihn Engagements nach London und Irland, wo er seine Gattin nach der Geburt des drittes Kindes verlor. Auch das Kind starb und da auch das erstgeborene Kind gestorben ist, so blieb ihm aus dieser Ehe nur eine Tocher, Peppina.
Nach Reisen in seine Heimatstadt Forli und Mailand, wurde eer 1810 ans Kärntnertortheater in Wien verpflichtet. Hier sang er mehrere italienische Opern - u.a. Licinius in „Vestalin“ und „Ferdinand Cortez“ von Spontini; französische Opern, die ins deutsche übertragen wurden, aber auch die Titelrolle in „Titus“ von Mozart und Jason in Cherubinis „Medea“ - beide auf Deutsch.
In dieser Zeit pflegte er freundschaftliches Verhältnis zur Familie Fröhlich.
1815 sang er an der Oper San Carlo in Neapel, deren künstlerischer Leiter eben Rossini geworden war.23
Aus dieser Zeit sind vier Briefe Sibonis an Anna Fröhlich, alle in französischer Sprache, im Stadt- und Landesarchiv der Stadt Wien erhalten. Aus diesen Briefen ist das gute Verhältnis der Familie Fröhlich zu Siboni und dessen Familie ersichtlich.
Über Wien, Budapest und St. Petersburg kam er nach Dänemark, wo er 1819 einen 11-jährigen Vertrag als Direktor der Gesangsschule des Theaters bekam.
Von 1823-25 kam Josephine Fröhlich nach Kopenhagen, um bei ihm weitere gesangsstunden zu machen.
Er starb am 28. Oktober 183724 .
1812 haben sich über fünfhundert Personen in das „Verzeichnis der Musikfreunde und -freundinnen“25 eingetragen, darunter auch Anna und Barbara Fröhlich die beide als Sopran mitgewirkt haben. Später sangen sie in Wiener Privatkonzerten mit, welche in den Wohnungen von Hofrat und Präsident-Stellvertreter der Gesellschaft der Musikfreunde Kiesewetterals Hauskonzerte veranstaltet wurden, da es in Wien damals noch keinen Konzertsaal gegeben hat: „Von Anbeginn waren die Schwestern Fröhlich unermüdliche Mitgestalter der Konzerte.“26
c) Tätigkeit am Conservatorium
In Wien wurde erst 1817 eine Singschule errichtet; die Gesellschaft der Musikfreunde unter der Leitung von Antonio Salieri stellte zwei Gesangslehrer ein - den Hofkapellsänger Philipp Korner und den Lehrer der Hofsängerknaben Josef Frühwald. Grundstein zu dem künftigen Konservatorium wurde gelegt als 1819 Josef Böhm als Geigenlehrer und Anna Fröhlich als dritte Gesangslehrerin angestellt wurden.
Ignaz von Mosel erarbeitete einen Entwurf zur Errichtung einer Singschule in Wien:27 Als Vorbilder wurden Konservatorien von Paris und Prag genommen, jedoch wurde Rücksicht auf die Situation in Wien genommen.
„Jeder Zögling sollte 10 Jahre alt und musikalisch und körperlich geeignet sein.“28
Im ersten Unterrichtsjahr hatte Anna Fröhlich ihre Schwester Josephine als Schülerin.
Durch die Leistungen dieser Schülerin wurde Anna als Lehrerin besonders gelobt, so z.B. vom Landgraf Friedrich Egon von Fürstenberg, Präsident der Gesellschaft der Musikfreunde29
Am 7. Mai 1825 starb Antonio Salieri und vererbte dem Konservatorium testamentarisch seine Singschule und mehrere Musikalien.30
Es gab auch schwierige Phasen ihrer Tätigkeit am Konservatorium. So z.B. als 1842 das Konservatorium neue Lehrer anstellen wollte, verteidigte sich Anna Fröhlich mit folgendem Brief, den Franz Grillpazer für sie entworfen hat:
„ Aus den letzten Ereignissen beim Conservatorium, über die ich übrigens weit entfernt bin mich zu beklagen, leuchtet doch eine Art Misstrauen gegen den bisherigen Gesangsunterrich hervor, welches ich meiner Ehre schuldig glaube zu berichten, umso mehr als viele der bei Errichtung des Vereins und seiner allmählichen Ausbildung als neu hinzugetreten minder vertraut sein dürfen.
Mir ward also unmittelbar bei Errichtung des Musikvereins von den damaligen ausgezeichneten Männern Hofrat Kiesewetter, Mosel, Hauschka, Joseph Sonnleithner, Krebner und der Beirat des kunstsinnigen Abbeé Stadler die Stelle als Lehrerin für den höheren Gesangsunterricht angeboten. Ich weiß nicht ob seitdem die Musik so große Fortschritte gemacht hat, das jene, die damals als die beste schien, seitdem an Wert verloren haben sollte. Namentlich ist der Gesang selbst bei den Italienern so in Verfall geraten, daß gegenwärtig Staudigl und Pischek, die Lutzer und Hasselt in fremden Ländern die Stelle einnehmen, die sonst nur mit Italienern auszufüllen möglich schien.
Ja die neuere italienische Schule mit ihrem Kraftaufwande ohne Kunst durfte leicht verderblich wirken in einem Lande, wo die starken Sopranstimmen beinahe gar nicht vorkommen und der Unterricht vielmehr noch umsichtige Schonung als meisternde Energie fordert.“31
Bei der nächsten Repräsentantensitzung bekam sie Recht und die Anträge anderer Gesangslehrer wurden zurückgewiesen.
IV. Die Gesangsschüler und deren Berufswege
Bereits bei den Hauskonzerten des Hofrats und Konservatoriumsdirektor Kiesewetter, bei denen anfänglich die Schwestern Fröhlich selbst mitgewirkt haben, traten auch Schülerinnen von Anna auf, wobei ihre Schwester Josephine bald auch dazu zählte - als ihre Schülerin am Konservatorium. Herfried Kier nannte Anna Fröhlich als „führende Gesangspädagogin der Anstalt“ und er berichtet zu Konzerten bei Kiesewetter Folgendes: „Der weibliche Chor - Soprani und Alti - besteht aus den Gesangsschülerinnen der höheren Klasse des hiesigen Konservatoriums unter der unmittelbaren Leitung ihrer Lehrerin des Fräuleins Nanette Fröhlich; die Solostimmen wurden in der letzten Zeit den Privat-Schülerinnen der Letzteren oder ihrer Schwester Josephine Fröhlich anvertraut, und dieses Vertrauen nie getäuscht, jedesmal glänzend gerechtfertigt.“32
1829 bekamen 3 Schülerinnen von Anna Fröhlich Musikalien gespendet vom Konservatorium: Amalia Kirchstein, Anna Mayerhofer, Maria Bodgorschek. Im gleichen Jahr durfte Amalia Kirchstein im Pensionsinstitut einen Solopart im Oratorium „Die Jahreszeiten“ von Haydn singen.
V. Beziehungen zu Schubert und Grillparzer
VI. Zusammenfassung
VII. Literaturverzeichnis
Blaha, Johanna: Die Schwestern Fröhlich. Dissertation an der Geistes- und kulturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien, 2002
Ebner-Eschenbach, Marie von: Meine Erinnerungen an Grillparzer, in: Erzählungen, Autobiographische Schriften, Berlin 1893
Kier, Herfried: Raphael Georg Kiesewetter (1773 - 1850) Wegbereiter des musikalischen Historismus. Regensburg 1968
Musik in Geschichte und Gegenwart, 4. Band, Bärenreiter-Verlag Kassel und Basel, 1955
Sauer, August: Grillparzer und Katharina Fröhlich, Vortrag gehalten in der Grillparzer-Gesellschaft am 18. Dezember 1894, im 5. Jg. des Jahrbuches der Grillparzer-Gesellschaft, Wien 1895
Sauer, August: Briefe von Katharina Fröhlich an ihre Schwestern, mitgetheilt im 4. Jahrgang des Jahrbuches der Grillparzer-Gesellschaft, redigiert von Carl Glossy, Wien 1894