2007:
Anne Ciba: Alle Atemmuskeln mit Ausnahme des Zwerchfells sind gleichzeitig Körperhaltungs- und Bewegungsmuskeln, daher hat jede scheinbar noch so unbedeutende Bewegung ihre Auswirkungen bis hinein in den Kehlkopf. ... Für den Gesang sollte der Vokaltrakt möglichst groß und weit sein, das bedeutet: elastisch tiefgestellter Kehlkopf, entspannte Rachenringmuskulatur, öffnungsbereiter Unterkiefer und bewegliche Zunge. Der beste Zugang zur optimalen Einstellung führt über die Wahrnehmung, die im Laufe des Trainings geschult und sensibilisiert wird, so dass sie regulierend wirken kann: oft genügt schon das Wahrnehmen einer Spannung, um sie zu lösen. (aus: Funktionales Stimmtraining, Internet)
Alexander Lowen: Verspannungen im willkürlichen Muskelsystem unterstehen der Kontrolle durch das Ich, das zwischen Kopf und Herz hervorruft. Aus Angst vor Ablehnung hören wir auf, unsere Hände auszustrecken, die Arme zu öffnen, ... Diese Bewegungen werden durch Verspannungen in Schultergürtel, Nacken und Kiefer beschnitten oder ganz zurückgehalten.
Martina Vormann: Die gute Körperhaltung ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für richtiges Singen. Jede Verspannung des Körpers (und sei sie im kleinen Zeh!) wirkt sich auf das Singen aus. Übung: Entspannung der Arm-, Schulter-, und Rückenmuskulatur; Entspannung der Hals- und Nackenmuskulatur...)
Alexander Lowen: Durch die funktionale Spaltung des Kopfes und seine Funktionen von den Gefühlen des Herzens und von der sexuellen Aktivität der Genitalien getrennt. Die Spaltung dieser drei Aspekte der Persönlichkeit geschieht durch eine Verengung der Verbindungswege: des Halses, der Kopf und Brustkorb miteinander verbindet, und der Taille, die Verbindung von Brustkorb und Unterleib ist. Durch diese Zerstückelung wird das Herz isoliert. ... Da niemand es ereeichen kann, kann niemand es verletzen. ... Durch (solche) muskuläre Verspannungen ... wird das Atmen auf eine oder zwei Körpersegmente beschränkt.
Renate Faltin: Bei einer Sängerausbildung wird ... in die ganze Entwicklung des Menschen eingegriffen. ... (Es kommen) Veränderungen in seinem Wesen, in seiner Erfahrung, in seiner Ausdruckweise, in seiner Bewußtheit, seinem Auftreten, seinem Geschmack und Urteilsvermögen. ... Es läßt sich erahnen, daß die sängerische Entwicklung zumeist als Nichtvermögen und Nichtkönnen erlebt wird. ... Daß dabei die Unkenntnis der Lehrer über die psychologischen Zusammenhänge zusätzlich Druck ausüben und kann und zu entsprechend negativen Reaktionen beim Schüler führt, ist verständlich.
Alexander Lowen: Psychiater haben bei jedem Patienten ständig mit dessen Schuldgefühlen zu tun. Jede Verspannung im Körper hängt mit irgendeinem Gefühl der Schuld zusammen.
Josef Schmidinger: Körperhaltung; Übung 1: Ruhig und gerade stehend läßt man vorerst alle Belastungen - ganz gleich, ob sie seelischen oder körperlichen Ursprung sind - von oben beginnend in den Unterleib hinabrieseln. Es ist so, als ob dabei das Gesäß und beide Beine hinunter beschwert würden und man auf diese Weise einen sicheren Stand bekäme. sodaß der Körper eine Stütze hat. Wenn man dann noch bei hochgetragener Brust und hoch gehaltenem Kinn beide Fußsohlen in den Boden stemmt, hat man damit die richtige Körperhaltung erreicht.
Alexander Lowen: Für ein Kind ist die Mutter der Boden. Wenn sie ihm keine ausreichende Stütze ist, wird es das Gefühl entwickeln, daß es sich auf niemanden als auf sich selbst verlassen kann und sich durch bewußte Anstrengung selbst aufrecht halten muß. Mit der Zeit wird diese Anstrengung unbewußt. So lange wie das Kind - und später der Erwachsene - sich aufrecht hält. in dem es Schultern und Beine anspannt, wird es sich im Leben unsicher fühlen.
Renate Faltin: Lampenfieber und Nervosität sind stärker bei Sängern, die sich ihrer technischen Fähigkeiten nicht bewußt sind.
Valborg Werbeck-Sväström: (Schülerin und später Kollegin Rudolf Steiners)
Wenn man das Falsett in einer entsprechenden Art zum Gegenstand eines regelrechten Übens macht, kann man erreichen, dass das obere Schwing-Glied langsam so gestärkt wird, daß es sich eines Tages in seiner Ganzheit wiederum einschaltet. Damit hört dann die Notwendigkeit des Falsett-Singens auf.
Wie gesagt, wenn durch ein falsches Singen zu starke Abbauprozesse an den Kehlkopf herangetragen werden, bewirken diese eben, daß das Stimmband seine Elastizität einzubüßen beginnt. Denn es ist ein äußerst zartes Organ, das nicht nur mit dem Körperlichen des Menschen in intimster Weise zusammenhängt, sondern auch mit dem Seelischen innig verbunden ist.